Focusing im Bereich Schulentwicklung und Lehrergesundheit

Herzlich Willkommen auf unseren Schwerpunktseiten zur Schulentwicklung und Lehrergesundheit.

Ortsunabhängiges Einzeltraining oder unterstützender Baustein einer schulinternen Fortbildung für Lehrerinnen und LehrerWir arbeiten sowohl mit einzelnen Lehrerinnen und Lehrern, Gruppen, Kollegien sowie mit der Leitunsgsebene von Schulen. Sie können uns also als Einzelperson, Team oder Kollegium kontaktieren. Wir bieten außerdem integrierte Schulungen an, die Focusing-Kompetenz mittelfristig innerhalb der Schule aufbauen.

Die ersten Schritte

An erster Stelle steht die Klärung Ihres Bedarfes und Ihrer Möglichkeiten. Wir können Sie dann beraten, welche Möglichkeiten und Grenzen wir in der Planung und Umsetzung sehen - und wie die weiteren Schritte aussehen könnten.

Unterschiedliche Focusing Projekttypen: Die Achse "Individuell - Kollegial" ist das erste zu wählende Kriterium für ein Inhouse-TrainingFür die Planung eine Focusing-Projektes für eine Gruppe von Lehrerinnen und Lehrern oder ganze Kollegien sind neben Ihren Zielen verschiedene Überlegungen zu dem Format wichtig. Grundsätzlich kann Focusing in zwei unterschiedlichen Formaten angeboten werden:

  1. Für die seperate Anwendung: Focusing wird in der Gruppe gelernt, jeder arbeitet jedoch mit den eigenen Themen seperat. Dieses Format ist zu empfehlen, wenn der Schwerpunkt auf der Entwicklung von Einzelpersonen liegen soll und die persönliche, kollegiale Unterstützung als zu verunsichernd gesehen wird oder nicht gewollt ist.
  2. Für die seperate Anwendung mit kollegialer Unterstützung: Dieses Format unterstützt zusätzlich die interne Vernetzung, kollegiale Beratung und ist eine Vorstufe, Focusing als Prozess in einer Organisation zu integrieren.

Wenn Sie sich als Schulleiterin oder Schulleiter für Focusing interessieren, so sind folgende Überlegung interessant:

Schulleiterinnen und Schulleiter – Einige mögliche Perspektiven für Focusing an Ihrer Schule (PDF)

GEW-Seminare zum Thema StressAnfangs lernen Sie Focusing in Übung und Theorie als eine strukturierte Methode für sich selbst kennen. Mit der Zeit wird Focusing dann flüssiger und selbstverständlicher. Es entsteht eine natürlicher Autorität im Umgang mit dem eigenen Erleben und Handeln. Sie lernen, sich im Rahmen ihrer Rolle als gesamte Person einzubringen – professionell, d.h. gerade auch mit Unschärfen und noch zu entwickelnden Entscheidungen: Offen, empathisch, zuhörend, nach stimmigen Lösungen suchend, als Mensch anwesend.

Welche Möglichkeiten gibt es für die Anwendung von Focusing als Schulleiterin oder Schulleiter? Dies hängt wohl zusammen mit den Zielen, die Sie verfolgen oder den Werten, die Sie entwickeln und leben möchten; für sich persönlich, für den Umgang mit Kolleginnen und Kollegen, für den Umgang mit Schülern und Eltern; oder für die Kultur an der Schule.

Hier ist eine – unvollständige – Liste möglicher Anwendungen von Focusing:

1. Persönliche Anwendung

  • Sammlung und Raum, um sich mit schwierigen Situationen auseinanderzusetzen, sich zu klären, Kraft zu tanken, sich vorzubereiten oder um Ideen, Werte, Ziele oder Strategien zu entwickeln
  • Eigene Muster und Reaktionen kennenlernen sowie Vertrauen in die eigenen Prozesse und Intuition entwickeln, stärken und pflegen; Gefühle schnell erfassen und als Signale erkennen lernen
  • Kollegiale Unterstützung auf Leitungsebene
  • Positiver Umgang mit Fehlern und Kritik
  • Aussagen in Konflikten und bei starken Emotionen schneller analysieren, mitfühlen und lösen können
  • Umgang mit wertvollen Informationen: Die Fähigkeit mit vagen, neu entstehenden, ambivalenten Ideen arbeiten zu können
  • Die eigene best practice entwickeln für den Umgang mit Mitarbeitern, die Gestaltung der Arbeit, die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben usw.

2. Rollenmodell durch die Leitung mit Focusing-Kompetenz in Meetings und jeglichen kollegialen Begegnungen (Kontaktpunkte)

  • Den eigenen Umgang mit sich selbst und bspw. Entscheidungsprozessen sichtbar machen
  • Unterstützung, Zuhören bei unklaren, sich entwickelnden, nur am Rande wahrgenommenen Sachverhalten

3. Strukturelle Unterstützung eines sich gegenseitig fördernden Umgangs miteinander einrichten; d.h. die konsequente Durchsetzung verschiedener Prinzipien bzw. Regeln in Besprechungen, z.B.

  • Hohe Aufmerksamsqualität
  • Hoher Anteil von Anerkennung und positivem Feedback
  • Vermeidung interner Konkurrenzkämpfe
  • Vermeidung von Hektik
  • Gleiche Zeitanteile anbieten
  • Vermeidung der Tabuisierung von Gefühlen
  • Gegenseitiger Respekt

4. Beratung und Unterstützung für Kolleginnen und Kollegen

  • Indirekt im Gespräch
  • Direkt im Co-Focusing

5. Aufbau von Peer-Focusing durch Bildung von Unterstützungsteams bei Einstellungsbeginn

 

6. Direkter Unterricht - Organisation externer Schulungen

  • Schrittweiser Aufbau von Focusing-Kompetenz im Kollegium
  • Ausbildung schulinterner Focusing-Beauftragter mit der Fähigkeit zu unterstützen und zu unterrichten

 

Ein Projektbeispiel: Focusing für interessierte Lehrerinnen und Lehrer

Dir Fritz-.Winter-Gesamtschule hat den Schulentwicklungspreis 2010 erhalten - unter Anderem wegen des Konzepts zur LehrergesundheitUnter dem Titel Der nächste richtige Schritt – Pausen für sich selbst im Schulalltag fand am 23. und 24. August 2010 ein Pilotworkshop für Lehrerinnen und Lehrer an der Fritz-Winter-Gesamtschule in Ahlen statt. Mit 1300 Schülerinnen und Schülern und einem Kollegium von über 100 Lehrenden ist diese Gesamtschule nicht nur sehr groß, sie macht auch mit einer aktiven Schulentwicklung und innovativen Konzepten zur Gesundheitsförderung auf sich aufmerksam, für welche sie dieses Jahr den Deutschen Präventionspreis und den Schulentwicklungspreis „Gute, gesund Schule“ verliehen bekommen hat. Das vorgelegte Focusing-Konzept war mit ausschlaggebend für die Verleihung des Schulentwicklungspreises.
 

Kontext, Ziele und Hintergrund

Praxisbeispiel Focusing an der Schule auf den Seiten von inqa.de (Neue Qualität der Arbeit) - zum Vergrößern auf das Bild klickenDer hier umrissene Workshop dient als Fortbildung zur Bewältigung schulalltagsspezifischer Stressoren. Er bildet den ersten Teil eines größeren Focusing-Projekts und des schulinternen Entwicklungsvorhabens Gesundheit am Arbeitsplatz als Leitungsaufgabe.
 
Ziele des Entwicklungsplans sind u.a.
  • Stärkung von organisatorischen Strukturen für bessere Kommunikation und Selbstbestimmtheit. Dadurch wird Arbeitszufriedenheit gefördert, eine wichtige Grundlage für langfristige psychische Gesundheit.
  • Personalentwicklung und Training zur Verbesserung des Umgangs mit besonderen Stressoren des Berufsalltags.
Hintergrund sind die Belastungen im Schulalltag, z.B. Konflikte im Kollegium, mit Eltern und Schülern oder mit der Schulleitung; Aggression; Überlastung; zu wenig Zeit und zu wenig andere Ressourcen; wachsende organisatorische Anforderungen; unklare Grenzen zwischen Schule und Alltag, wenig Unterstützung von außen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Tatsache, dass nur fünf Prozent aller Lehrerinnen und Lehrer offen sind für Supervision: Es wird nach neuen, geeigneteren Methoden gesucht.
 

Auswahl der Methode

Inner Relationship Focusing wurde von der Schule als Methode ausgewählt, weil das Training mittelfristig konkrete Fertigkeiten und Kompetenz aufbaut und die Kolleginnen und Kollegen lernen, sich gegenseitig zu unterstützen. Ein weiterer Pluspunkt für Focusing ist die Möglichkeit, jemanden zu unterstützen ohne die eigentlichen inhaltlichen Details zu kennen.
 

Trainingsziele der ersten Einheit

Auf individueller Ebene wird trainiert, inneren Raum und Ruhe zu schaffen, sich selbst und anderen präsent zuzuhören, Probleme und Konflikte neu sehen zu lernen sowie festgefahrene Situationen zu unterbrechen und einen nächsten konstruktiven Schritt entwickeln zu können. 
Auf der Ebene des Kollegiums geht es um kollegiale Unterstützung, die gemeinsame Entwicklung von Ideen und die gegenseitige Wertschätzung und Nicht-Bewertung.


Durchführung und geschaffene Strukturen

Der eigentliche, zweitägige Workshop war beschränkt auf Lehrerinnen und Lehrer, um zusätzliche Rollenkonflikte zu vermeiden. So wurde zum Beispiel eine weitere interessierte Mitarbeiterin abgelehnt, weil sie keine Lehrerin ist und außerdem durch ein eigenes Kind an der Schule auch Teil der Elternschaft ist. Die Leitungsebene war von Anfang an von dem Kurs ausgeschlossen, um einen sicheren Rahmen für das Kollegium zu bieten. 
An der Schule wurde eine Focusing-Übungsgruppe etabliert, und weitere Angebote zum Einstieg für neue Interessenten sowie zur Vertiefung entlang der standardisierten Ausbildung des Inner Relationship Focusing sind geplant. 
 
siehe auch: Online Ressource 46532 des deutschen Bildungsservers.
 
 

 Unsere Inhouse-Trainings wurden an der Fritz-Winter-Gesamtschule in Ahlen eingesetzt. Die Schule hat dafür die Auszeichnung "Gute Praxis des Monats März 2011" von der bundesweiten Initiative "Neue Qualität der Arbeit" (INQA) erhalten.